Christen und Muslime

ev.-freikirchliche Gemeinde Altena, Lüdenscheider Str. 20, 58762 Altena (Westfalen)   Homepage

Christen und Muslime leben zusammen - Einige Leitgedanken

Die folgenden Zeilen stammen aus einem Falblatt (Arbeitshilfe Nr. 3) der Lausanner Bewegung (Deutscher Zweig). Sie treffen auch unser Empfinden.
Die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgt mit der freundlichen Genehmigung der Deutschen Evangelischen Allianz in Stuttgart, wofür wir herzlich danken.
(email:
info@ead.de - Internet: http://www.ead.de )

“Im Orient leben Christen seit nahezu 1400 Jahren eng mit Muslimen zusammen, auf dem Balkan seit über 500 Jahren. Auf der Iberischen Halbinsel war dies 700 Jahre hindurch der Fall. Für Christen in Mitteleuropa ist das Zusammenleben mit Muslimen dagegen eine überwiegend neue Erfahrung. Wenn unsere Situation in Europa bedacht wird, kann dies nicht geschehen, ohne die Erfahrungen unserer Mitchristen im Orient zu berücksichtigen.

1. Als Christen können wir in jeder Gesellschaft Leben. Wir wissen, daß keine Gesellschaft vollkommen gerecht ist und jede Gesellschaft die Merkmale der ,,gefallenen Schöpfung" trägt. Wir wissen, daß wir ,,hier keine bleibende Stadt" haben (Hebräer-Brief Kapitel 13, Vers 14), sondern unterwegs zum ,,besseren Vaterland" ( Hebräer11,16) sind. Wir bitten um das ,,Kommen des Reiches Gottes".

Gebet für friedliches Zusammenleben
2. Als Christen beten wir für das Wohlergehen und friedliche Zusammenleben aller Bürger und um die Freiheit, das Evangelium zu verkündigen. Wir wissen, daß das Leben in totalitären Gesellschaften mit vielen Einschränkungen - bis hin zum Martyrium - verbunden sein kann. Wir schätzen deshalb eine freiheitliche Demokratie, auch wenn wir unter solchen Mehrheitsentscheidungen leiden, die den Geboten Gottes widersprechen. Sofern wir in einer Demokratie leben, werden wir unsere Chancen zur Mitgestaltung des öffentlichen Lebens nutzen, um den Geboten Gottes in der Öffentlichkeit Raum zu gewahren.

3. Als Christen wissen wir daß auch in einer freiheitlichen Demokratie die Religionsfreiheit nicht grenzenlos ist. Wir respektieren es, daß der Demonstration des Glaubens in der Öffentlichkeit Grenzen gesetzt sind und die öffentliche Kritik an anderen Glaubensweisen nicht diffamierend sein darf. Wir sind dankbar dafür, daß in unserer Gesellschaft niemand von Seiten der Behörden diskriminiert wird, wenn er Christ wird oder sich einer anderen Religionsgemeinschaft seiner Wahl anschließt.

Als Christen sind wir damit einverstanden, daß andere religiöse Gemeinschaften die gleichen Freiheiten und Rechte genießen wie wir selbst. Wir können aber nicht zustimmen, wenn religiöse Gruppen für sich weitergehende Sonderrechte beanspruchen, die sie mit ihren religiösen Traditionen begründen. Wir können auch nicht stillschweigen, wenn religiöse Gruppen mit totalitären Tendenzen langfristig das Ziel haben, die freiheitliche Ordnung unserer Gesellschaft zu untergraben.

Als Christen respektieren wir es, daß muslimische Gruppen das Recht haben, sich zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen in dafür geeigneten Räumlichkeiten zu versammeln. Wir respektieren die Werbung der Muslimefür ihren Glauben. Wir respektieren es, wenn Menschen unserer Gesellschaft zum Islam übertreten.

Im Sinne des Islam
4. Als Christen nehmen wir wahr, daß es innerhalb des Islam recht unterschiedliche Gruppen gibt. Wir wissen um solche Gruppen, denen es vornehmlich nicht um politische, sondern um religiöse Anliegen geht. Wir anerkennen, daß es Muslime gibt, die unsere Gesellschaft nicht gewaltsam verändern wollen, sondern dem Wirken Gottes in der Geschichte der Völker Vertrauen. Wir wissen aber auch, daß im Islam letztlich eine Trennung zwischen religiösen und politischen Anliegen nicht möglich ist und daß Muslime von ihrem Glauben dazu aufgerufen werden, ihre jeweiligen Gesellschaften im Sinne des Islam zu beeinflussen und zu verändern.

 Als Christen beobachten wir, daß in vielen Ländern der islamischen Welt ein zähes Ringen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Konzepten im Gang ist. Wir stellen fest, daß viele Muslime zugeben, daß ,,Demokratie" (Herrschaft des Volkes) im westlichen Verständnis und Islam im Sinne von Unterwerfung aller Lebensbereiche unter eine göttliche Ordnung letztlich nicht vereinbar sind. Wir haben den Eindruck, daß auch in unserer Gesellschaft das Ringen um mehr Einfluss für den Islam begonnen hat.

Demonstration von Öffentlichkeit
5. Als Christen sehen wir ein Problem darin, daß der Islam von seinen Ursprüngen her eine Religion ist, die auf Demonstration in der Öffentlichkeit aus ist. Denn schon zu Lebzeiten Muhammeds entwickelte sich der Islam zu einer die Gesellschaft dominierenden Volksreligion. Der repräsentative Bau von Moscheen, die Höhe von Minaretten, der Gebetsruf per Lautsprecher und das Tragen einer spezifischen Kleidung sind für Muslime keine Nebensächlichkeiten. Wir stellen fest, daß es derzeit in der deutschen Öffentlichkeit und auch unter Christen umstritten ist, wo die zumutbaren Grenzen solcher Demonstration liegen.

6. Ein anderes Problem sehen wir als Christen darin, daß im Koran als der wesentlichen Urkunde des Islam die Kritik am christlichen Glauben festgeschrieben ist.  In diesem Licht muß die öffentliche Werbung für den Islam gesehen werden. Der öffentliche Gebetsruf z.B. beinhaltet unseres Erachtens eine indirekte Kritik am christlichen Gottes-Glauben (Dreifaltigkeit Gottes) und am christlichen Jesus-Glauben (Jesus als abschließender Offenbarer und Heilbringer). Uns erscheint die Frage als offen, ob Muslime in der Lage sind, z.B. in einem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen den christlichen Glauben sachlich und fair darzustellen.

7. Ein Problem für das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in unserem Land sehen wir darin, daß die Muslime z.Z. überwiegend Ausländer oder Neubürger sind, während die Angehörigen der christlichen Kirchen überwiegend zu den Alteingesessenen gehören. Dadurch geschieht es leicht, daß die Bedenken gegen den Zuzug von Ausländern auf die Muslime übertragen werden. Weil Jesus Christus uns Liebe geboten hat, treten wir jeder Form von Ausländerfeindlichkeit in Wort und Tat entschieden entgegen.

Verständnis und Selbstbewusstsein gefragt
8. Hinsichtlich unserer muslimischen Mitbürger ist es für uns als Christen selbstverständlich, daß wir uns um ein friedliches Zusammenleben bemühen. Nur in dieser Haltung können - und sollen - wir ihnen das Evangelium von der Liebe Gottes bezeugen. Wir unterscheiden von diesem Bemühen die besorgte Wahrnehmung der langfristigen Gefährdung unserer freiheitlichen Ordnung. Deshalb erfordert unser Umgang mit Muslimen einerseits Verstehen und Freundlichkeit, andererseits Selbstbewußtsein und Bestimmtheit im Setzen von Grenzen. Wir sehen deshalb in unserer Begegnung mit Muslimen eine große menschliche und geistliche Herausforderung, in der wir uns nur betend und im Hören auf das Wort Gottes bewähren können.”

Autor: Eberhard Troeger, Deutsche Evangelische Allianz, Stitzenburgstr. 7, 70182 Stuttgart.

Literatur-Tipps: Christlicher Glaube und Islam, Erklärung der Lausanner Bewegung, Dt. Zweig, in Verbindung mit der Ev. Allianz, 1997.
johan Boumann, Leben mit fremden Nachbar. die Rolle von Ethik, Kultur und Religion in einer multikulturellen Gesellschaft, Brunnen-Verlag Gießen, 1995
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Über das Gespräch mit Muslimen: Ein Interview mit dem Buchautor und pensionierten Leiter des Missionshauses Bibelschule Wiedenest: Ernst Schrupp.

efg Altena:  www.christen-in-altena.de  oder zurück zur Rubrik “Typisch”  

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