| Leiter der Bibelschule Wiedenest ermunterte zum Gespräch: Erst verstehen, dann reden„Es gibt Muslime, die seit 20 Jahren in Deutschland leben und noch nie ein deutsches Wohnzimmer gesehen haben." Vor der stolzen Zahl von 180 Zuhörern deckte Ulrich Neuenhausen am Mittwoch in Dahle Missverständnisse und Handlungsweisen auf, die Christen und Muslime trennen. Im Rahmen ihrer Jubiläumswoche hatte die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Dahle den Leiter der Bibelschule Wiedenest eingeladen. „Bibel und Koran" lautete sein Thema, passend zur Bibelausstellung in der Schützenhalle.
Vor radikalen Muslimen brauche man in Deutschland nicht mehr Angst haben als vor Terroristen aus dem rechtsradikalen Spektrum, beruhigte Neuenhausen. Allerdings wandte er sich strikt gegen die
verharmlosende Aussage des Theologen Jörg Zink, der während einer TV-Talkrunde jüngst „Bewunderung" für Selbstmord-Attentäter aufgebracht hatte. „Dafür habe ich kein Verständnis. Wie diese Menschen handeln, das hat mit Gehirnwäsche, Geld, Fanatismus und Ehrgefühl zu tun." Muslim kann mich nur verstehen, wenn ich weiß, wie er denkt Der 41-jährige Bergneustädter schwenkte sehr schnell vom
Vergleich der beiden heiligen Bücher zu einem Vergleich zwischen Christentum und Islam. Er ermutigte, sich mit orientalischen Denkweisen auseinanderzusetzen. Ein Muslim „kann mich nur verstehen, wenn ich weiß, wie er denkt." Ehrfurchtsvoller Umgang mit dem Koran Für den Muslim sei der Koran das un-umstößliche, unveränderte Wort Allahs, das lange vor dem Leben Mohammeds im Himmel
aufbewahrt wurde und Allahs „Sprache bis in jeden Punkt". Entsprechend ehrfurchtsvoll gingen Muslime mit ihrer heiligen Schrift um. Eine Zeitschrift mit einem abgedruckten Koran-Vers achtlos wegzuschmeißen, könne in einigen Ländern mit dem Tod bestraft werden. „Sonst hat man Allah nirgendwo." Neuenhausen warnte im Sinne eines Gesprächs mit Muslimen, den Koran zu kritisieren. Die Bibel schildere, wie Gott mit den Menschen Geschichte machte
und schließlich in Jesus Christus selbst auf die Erde kam. Könige, Fischer, Bettler setzten die Bibel in Zusammenhang von Raum und Zeit. Demgegenüber „erscheint Allah nicht in dieser Welt." Muslime sehen Christentum als brutale Religion Auch den Vorwurf einer brutalen Religion wollte Neuenhausen so nicht stehen lassen. Muslime nähmen den Westen umgekehrt genauso „brutal” wahr: Missionare würden als amerikanische Spione
angesehen. Die Realität im Westen vermittle den Eindruck, alle Männer hier schwelgen im Alkohol, treiben Ehebruch und essen Schweinefleisch. Die Erinnerungen an Imperialismus und Kolonialisierung seien frisch. Den Aufenthalt amerikanischer Truppen im Land der heiligsten Stätten des Islams, in Saudi-Arabien, könne ein Muslime nicht hinnehmen. „Das wäre so, als wenn islamische Truppen im Vatikan stationiert würden." Vorsicht Fettnapf
Neuenhausen legte dar, wieso Muslime unter christlichen Begriffen wie „geschenkter Gnade" etwas ganz anderes verstehen. Der Bibelschullehrer ermutigte zum Besuch einer Moschee und zum Gespräch mit den Muslimen. Er gab Tipps, Fettnäpfchen zu umgehen. In Pakistan dürfe man nie einfach an eine Haustür eines Bauernhofes klopfen. Es könnte sein, dass die Frau allein zuhause ist und der Ehemann die Freundlichkeit des Fremden völlig falsch
versteht. Auch wenn Muslime, die lange im Westen leben, darüber großzügig hinweg sehen würden: „Besser ist es, man achtet auf Äußerlichkeiten." |